• Gynäkologische Krebsarten

    Gynäkologische Krebsarten

    Ein Übersicht über Entstehung,
    Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten von gynäkologischen Krebsarten.

Endometriumkarzinom

Auch Gebärmutterkörperkrebs, Gebärmutterschleimhautkrebs.

Tumoren des Gebärmutterkörpers (Korpus Karzinom, von lateinisch „corpus“: Körper) haben ihren Ursprung in der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), die das Organ im Inneren auskleidet. Aus diesem Grund wird Krebs des Gebärmutterkörpers auch als Gebärmutterschleimhautkrebs oder fachsprachig Endometriumkarzinom bezeichnet. Es sind die häufigste Krebserkrankung der weiblichen Genitalorgane.

Test EierstockEpidemiologie
Endometriumkarzinom ist in die Schweiz die zweithäufigste Krebs Erkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane (Brustkrebs ist die Häufigste) und die vierthäufigste Krebsform bei Frauen. Eine von 50 Frauen erkrankt im Laufe des Lebens an Gebärmutterkörperkrebs, eine von 200 verstirbt an der Krankheit. Aufgrund der guten Prognose fällt der Anteil an allen krebsbedingten Todesfällen mit 2,9 Prozent vergleichsweise niedrig aus. Das relative Fünf-Jahres-Überleben bei Gebärmutterkörperkrebs liegt bei etwa 80 Prozent. Das mittlere Erkrankungsalter beträgt 69 Jahre.

Diagnose
Besteht der Verdacht auf Endometriumkarzinom, kann die Arzt/Ärztin die folgenden Untersuchungen veranlassen:

  • Anamnese und körperliche Untersuchung mit einem Spiegel (Speculum) und Tastuntersuchung, Pap-Test
  • Ultraschalluntersuchung (transvaginale Sonographie)
  • Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie)
  • getrennte Ausschabung des Gebärmutterhalses und der Gebärmutterkörper-Schleimhaut (fraktionierte Abrasio)
  • Blutuntersuchungen

Untersuchungsmethoden

Sonographie (Transvaginale Ultraschalluntersuchung)
Die Ultraschalluntersuchung der inneren Geschlechtsorgane erfolgt mit Hilfe einer Ultraschallsonde, die in die Scheide eingeführt wird (transvaginale Sonographie). Den Arzt/ die Ärtzin kann mit dieser Methode die Gebärmutterschleimhaut beurteilen und die Dicke der Schleimhaut bestimmen. Die transvaginale Ultraschalluntersuchung wird bei Verdacht auf Gebärmutterkörperkrebs immer durchgeführt. Sie ist schmerzlos und kann beliebig oft wiederholt werden, da sie die Patientin keiner Strahlenbelastung aussetzt.

Hysteroskopie (Gebärmutterspiegelung)
Bei der Spiegelung der Gebärmutter wird eine Sonde, die mit einer kleinen Kamera und einer Lichtquelle ausgestattet ist, durch die Scheide und den Gebärmutterhals in die Gebärmutterhöhle geschoben. Um eine bessere Sicht auf die Schleimhaut zu erhalten, wird üblicherweise Flüssigkeit in die Gebärmutter gespült. Aus verdächtigen Bereichen werden Gewebeproben entnommen (Biopsie) und unter dem Mikroskop begutachtet. Die Gebärmutterspiegelung wird in der Regel mit einer Ausschabung kombiniert.

Kürettage (Abrasio/Ausschabung der Gebärmutterschleimhaut)
Die mikroskopische Untersuchung der Gewebeprobe aus dem Gebärmutterhals und der Gebärmutterschleimhaut ist derzeit die sicherste Methode, um Veränderungen im Gebärmutterkörper festzustellen. Zur Gewinnung von Gewebeproben wird, üblicherweise unter Narkose, die Gebärmutter über die Scheide vorsichtig ausgeschabt. Dabei werden Schleimhautanteile von Gebärmutterhals und Gebärmutterkörper gewonnen und untersucht. Die Schleimhaut baut sich anschliessend nach und nach wieder auf.

Blutuntersuchungen
Diese geben Auskunft über den Allgemeinzustand der Patientin. Die Untersuchungsergebnisse sind im Hinblick auf eine bevorstehende Behandlung von Bedeutung. Einige Krebstypen produzieren gelegentlich Tumormarker, die dann im Blut nachgewiesen werden können, zum Beispiel CA 125. Diese Tumormarker sind jedoch nicht bei allen Patientinnen erhöht und können auch bei Gesunden über dem Normbereich liegen. Sie eignen sich daher nicht zum Screening von Krebserkrankungen und spielen für die Diagnosestellung nur eine untergeordnete Rolle. Sie dienen vor allem der Verlaufskontrolle im Rahmen einer Chemotherapie bei Rückfällen. In der Nachsorge werden Tumormarker gelegentlich herangezogen, da ihr Ansteigen auf einen Rückfall hinweisen kann. Für die klinische Routine ausserhalb von Studien spielen Tumormarker in der Regel keine Rolle.

Behandlungsmethoden

Operation
Therapie der ersten Wahl bei einer Krebserkrankung des Gebärmutterkörpers ist die Operation. Dabei werden die Gebärmutter, die Eileiter und die Eierstöcke entfernt. Die Operation zielt darauf ab, das Tumorgewebe und eventuell befallene Lymphknoten zu entfernen, um eine Heilung zu erreichen. Gleichzeitig wird durch die Untersuchung der entfernten Gewebe das Stadium, die Tumorart und damit das Rückfallrisiko bestimmt. Die Operation kann mit einem Bauchschnitt oder –bevorzugt in Frühstadien – mithilfe einer Bauchspiegelung durchgeführt werden. Der Umfang und die Technik der Operation richten sich nach Art und Ausmass der Krebserkrankung.

Die Operation ist gleichbedeutend mit der vollständigen Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie). Die Eierstöcke produzieren das Hormon Östrogen, welches die Bildung von Tumoren der Gebärmutterschleimhaut begünstigt. Da diese Organe häufig Metastasen tragen, wird empfohlen, immer auch die Eierstöcke samt den Eileitern zu entfernen. Zusätzlich werden bei erhöhten Risiken die Lymphknoten in der Umgebung (im kleinen Becken und entlang der Aorta bis in Höhe der Nierengefässe) entfernt. Wenn es sich beispielsweise um einen schnell wachsenden und besonders entarteten Tumor handelt oder wenn der Tumor bereits weit in die Gebärmuttermuskulatur eingewachsen ist, wird diese Behandlung empfohlen. In seltenen Fällen sind auch Nachbarorgane wie Blase und Enddarm befallen, dann kann es notwendig sein; auch diese Organe teilweise oder ganz zu entfernen. Wird der Tumor in einem sehr frühen Stadium entdeckt, ist die Operation als alleinige Therapie in der Regel ausreichend. Die Aussichten auf eine dauerhafte Heilung sind in diesem Falle sehr gut. In fortgeschrittenen Krankheitsstadien erfolgt im Anschluss an die Operation häufig eine Strahlen- und/oder Chemotherapie, um eventuell im Körper verbliebene Tumorzellen zu vernichten und somit das Risiko eines Krankheitsrückfalls zu senken.

Welche Folgen hat die Operation?
Die Beschwerden, die nach der Operation auftreten können, hängen davon ab, in welcem Umfangreich operiert wurde. Im Allgemeinen gilt: Je umfangreicher die Operation, desto wahrscheinlicher sind Beschwerden.

 

Strahlentherapie
Ist die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits weiter fortgeschritten, ist nicht die Operation allein, sondern eine Kombination der Operation mit Bestrahlung und Chemotherapie die Therapieform der Wahl. Die Strahlentherapie soll das Risiko eines Krankheitsrückfalls (Rezidiv) senken (adjuvante Strahlentherapie). Eine Bestrahlung sollte nur dann anstelle einer Operation erfolgen, wenn diese zum Beispiel aus schwerwiegenden gesundheitlichen Gründen nicht möglich oder nicht erwünscht ist. Die Heilungschancen sind allerdings bei einer alleinigen Strahlentherapie deutlich schlechter. Ziel der Strahlentherapie ist es, die bösartigen Zellen zu vernichten. Um dies zu erreichen, wird meist von innen (über die Scheide) und außen (von der Bauchdecke aus) bestrahlt. Bei der so genannten Kurzdistanzbestrahlung wird eine Strahlenquelle in das Scheidengewölbe oder – wenn nicht operiert wurde – in die Gebärmutterhöhle eingebracht und dort für kurze Zeit belassen, bis die gewünschte Strahlendosis erreicht ist. Die Bestrahlung bleibt dabei lokal begrenzt und schont so die Nachbarorgane. Die Bestrahlung von innen wird bei den meisten Patientinnen eingesetzt, um Rückfälle im Scheidenbereich zu verhindern.
Ergänzend dazu kann der gesamte Beckenraum eventuell auch an den großen Blutgefäßen von außen mit energiereichen Strahlen behandelt werden (externe oder perkutane Bestrahlung). Dies erfolgt insbesondere bei einem Befall vieler Lymphknoten oder bei einem weit fortgeschrittenen Tumor.
 
Welche Nebenwirkungen hat die Strahlentherapie?
Die Beschwerden, die nach der Strahlenbehandlung auftreten, hängen vom Ausmass der Vorbehandlung (Operation) und der Strahlentherapie ab. Je umfangreicher die Behandlung, umso eher kann es zu Beschwerden kommen.
 

Chemotherapie
Die Chemotherapie zielt darauf ab, Krebszellen im ganzen Körper durch zellwachstumshemmende Medikamente (Zytostatika) abzutöten. Zytostatika wirken sehr gut gegen rasch wachsende Zellen. Die adjuvante Chemotherapie in der heilbaren Situation kann bei bestimmten Stadien eine Alternative, beziehungsweise eine Ergänzung, zur adjuvanten Strahlentherapie sein. Die Chemotherapie dient auch der Behandlung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) und der Linderung von Beschwerden bei fortgeschrittener Erkrankung (palliative Behandlung). Sie wird insbesondere dann angewendet, wenn die Krankheit unter Hormontherapie (endokriner Therapie) voranschreitet oder wenn der Tumor keine Bindungsstellen (Rezeptoren) für Hormone hat. Da allerdings auch die palliative Chemotherapie Nebenwirkungen nach sich zieht, müssen Nutzen und Risiken im Einzelfall gründlich gegeneinander abgewogen werden.

Welche Nebenwirkungen hat die Chemotherapie?
Durch die Behandlung mit Zytostatika wird auch normales Gewebe, das sich relativ rasch erneuert, in Mitleidenschaft gezogen. Davon betroffen sind in erster Linie die Schleimhäute von Magen und Darm, das blutbildende System im Knochenmark und den Haarwurzeln. Die Nebenwirkungen lassen sich zum größten Teil gut medikamentös lindern und verschwinden in der Regel wieder, wenn keine Zytostatika mehr verabreicht werden.

 

Endokrine Therapie
Die endokrine Therapie (Hormontherapie) wird bei Gebärmutterkörperkrebs eingesetzt, wenn bereits Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, in anderen Organen sich gebildet haben. Dabei wird in hoher Dosis Gestagen verabreicht. Dieses Hormon hemmt als Gegenspieler des Östrogens das Wachstum von Tumoren, die von der Gebärmutterschleimhaut ausgehen. Spricht die Therapie gut an, kann bei nicht aggressiven Tumoren eine Langzeittherapie durchgeführt werden. Die endokrine Therapie hat deutlich weniger Nebenwirkungen als eine Chemotherapie. Allerdings tritt die Wirkung bei einer Hormontherapie langsamer ein als bei Chemotherapie. Deshalb wird bei Metastasen, die starke Symptome verursachen (z.B. Atemnot), zuerst eine Chemotherapie durchgeführt. Besonders aggressive, bösartige Tumoren sprechen meist nicht auf die endokrine Therapie an.

Nebenwirkungen der endokrinen Therapie.
Auch die Hormonbehandlung kann mit unerwünschten Nebenwirkungen einhergehen. Gewichtszunahme und Übelkeit sind am häufigsten. Die Nebenwirkungen bilden sich nach Therapieende zurück und sind insgesamt weniger belastend, als dies bei anderen Behandlungsverfahren der Fall ist.

 

Entscheidungsweg

Welche Therapie im Einzelfall durchgeführt wird, hängt insbesondere vom Sitz und Grösse der Tumoren, des Alters und des allgemeinen Gesundheitszustandes der Patientin ab. Wichtig ist, dass Sie mit Ihren behandelnden Arzt/ Ärztin ausführlich über den Befund und die Heilungschancen (Prognose) Ihrer Erkrankung sprechen. Lassen Sie sich die verschiedenen Therapiemöglichkeiten genau erläutern, die für Sie in Frage kommen, und informieren Sie sich auch über die Möglichkeit einer Teilnahme in klinische Studien. Gut durchdachte und gut durchgeführte klinische Studien sind die einzige Möglichkeit, die tatsächliche Wirksamkeit eines vielversprechenden neuen Wirkstoffs oder einer Intervention, die untersucht wird, zu bestimmen.
Die enormen Fortschritte bei der Behandlung von Krebs im Kindesalter sind das direkte Ergebnis klinischer Studien. Mehr als 60 Prozent der krebskranken Kinder nehmen an klinischen Studien teil, aber nur 3% der krebskranken Erwachsenen.

Bei Kindern mit Kebserkrankungen konnte der Therapieerfolg massgeblich durch gute Forschungsergebnisse gesteigert werden. Wir wünchen Ihnen als Erwachsene den gleichen Erfolg, den wir bei den Kindern erleben. Aus diesem Grund empfehlen wir die Teilnahme an einer Studie.

 

Sollte die Teilnahme an klinischen Studien der NEUE Behandlungsstandard für Frauen mit Gebärmutterkörperkrebs sein?

Machen Sie mit!

 

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